Major General Smedley Butler (1881-1940), zweimal mit der Medal of Honor ausgezeichnet, begann als Zivilist mit dem Schreiben. Sein Buch War is a racket (dt.: Krieg ist ein Geschäft) veröffentliche Round Table Press im Jahr 1935, worin er Angriffskriege grundsätzlich ablehnt. Hier die deutsche Übersetzung des zweiten Kapitels.
Die Originalfassung kann in Englisch hier gelesen und heruntergeladen werden.
Alle Kapitel in deutscher Übersetzung:

Der [Erste] Weltkrieg, vielmehr unsere kurze Teilnahme daran, kostete Uncle Sam etwa 52 Milliarden Dollar. Finde es heraus. Das entspricht 400 Dollar für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind. Diese Schulden haben wir bisher noch nicht abbezahlt. Wir zahlen dafür, unsere Kinder werden dafür zahlen – und unsere Enkel werden für die Kosten dieses Krieges wahrscheinlich immer noch zahlen.
Die gewöhnliche Gewinnmarge eines Unternehmens in den USA beträgt sechs, acht, zehn, manchmal zwölf Prozent. Aber zu Kriegszeiten – Ah! Das ist eine andere Sache – sind es 20, 60, 100 und manchmal sogar bis zu 1.800%; die Möglichkeiten sind unbegrenzt. All der Handelsverkehr wird das ertragen.
Uncle Sam hat das Geld; holen wir es uns.
Natürlich ist das in Kriegszeiten nicht so grob formuliert. Es ist in Reden über den Patriotismus und die Liebe zum Land verpackt. Dann heißt es, dass wir alle an einem Strang ziehen müssen, aber die Gewinne schießen in die Höhe und sind sicher in der Tasche verstaut. Hier einige Beispiele:
Nehmen wir unsere Freunde, die du Ponts mit ihrem Schießpulver. Hat nicht einer von ihnen erst kürzlich vor dem Senatsausschuss bezeugt, dass ihr Pulver den Krieg gewann, die Demokratie gerettet hat oder irgendetwas anderes? Wie haben sie sich im Krieg geschlagen? Sie waren ein patriotisches Unternehmen. Die durchschnittlichen Einnahmen der du Ponts betrugen von 1910 bis 1914 sechs Millionen Dollar pro Jahr. Das war nicht viel, aber die du Ponts haben es geschafft, damit gut zurechtzukommen. Werfen wir nun einen Blick auf den jährlichen Gewinn während der Kriegsjahre von 1914 bis 1918, der 58 Millionen Dollar pro Jahr betrug. Fast zehnmal soviel wie zu Friedenszeiten, und dort war der Gewinn schon sehr gut. Das bedeutet eine Erhöhung des Gewinns um mehr als 950%.
Nehmen wir eine unserer kleinen Stahlfabrikant:innen, die, patriotisch wie sie sind, die Produktion von Schienen, Trägern und Brücken zugunsten von Kriegsmaterial aufgaben. In den Jahren 1910 bis 1914 lagen die Einkünfte bei durchschnittlich sechs Millionen Dollar. Dann kam der Krieg und als loyale Bürger:innen stellten Bethlehem Steel zügig auf die Produktion von Munition um. Stieg ihr Gewinn – oder verkauften sie an Uncle Sam zu einem Schnäppchenpreis? Nun, in den Jahren 1914 bis 1918 betrug der durchschnittliche Gewinn 49 Millionen Dollar pro Jahr.
Oder nehmen wir United States Steel. In der fünf Jahren vor dem Krieg betrugen die durchschnittlichen Einkünfte 105 Millionen Dollar pro Jahr, was nicht schlecht ist. Mit dem Krieg erhöhte sich der Gewinn. Der durchschnittliche jährliche Gewinn lag in den Jahren von 1914 bis 1918 bei 240 Millionen Dollar. Nicht schlecht.
Nachdem wir uns den Einnahmen der Stahl- und Pulverproduzenten gewidmet haben, werfen wir nun einen Blick auf etwas anderes, z. B. Kupfer.
Das funktioniert in Kriegszeiten immer gut.
Zum Beispiel Anaconda, dessen durchschnittliche Einkünfte in den Vorkriegsjahren von 1910 bis 1914 10 Millionen Dollar pro Jahr betrugen. Während des Krieges von 1914 bis 1918 stiegen die Gewinne auf 34 Millionen Dollar pro Jahr an.
Oder Utah Copper: Durchschnittlich 5 Millionen Dollar pro Jahr von 1910 bis 1914, in den Kriegsjahren stieg der Gewinn auf 21 Millionen Dollar pro Jahr an.
Fassen wir diese fünf Unternehmen in einer Gruppe mit drei kleineren Unternehmen zusammen, so lag der durchschnittliche Gewinn in den Vorkriegsjahren von 1910 bis 1914 bei 137,48 Millionen Dollar. Während des Krieges stieg dieser auf 408,30 Millionen Dollar an.
Eine kleine Erhöhung des Gewinns um ca. 200%.
Zahlt sich Krieg aus? Für diese Unternehmen hat es sich gelohnt. Aber sie sind nicht die einzigen. Es gibt noch andere. Nehmen wir etwa Leder.
Drei Jahre vor dem Krieg betrug der gesamte Gewinn der Central Leather Company 3,5 Millionen Dollar, also ca. 1,167 Millionen Dollar pro Jahr. Im Jahr 1916 bekam Central Leather einen Gewinn von 15 Millionen Dollar pro Jahr zurück, einem kleinen Anstieg von 1.100%. Das ist alles. Die General Chemical Company verzeichnete in den drei Jahren vor dem Krieg einen kleinen Gewinn von etwas über 800.000 Dollar pro Jahr. Als der Krieg kam, erhöhte sich dieser auf 12 Millionen Dollar – das entspricht einem Anstieg um 1.400%.
International Nickel Company – und es kann keinen Krieg ohne Nickel geben – steigerte seinen Gewinn von im Durchschnitt bloß 4 Millionen Dollar auf 73 Millionen Dollar. Nicht schlecht? Das entspricht einer Erhöhung um 1.700%.
American Sugar Refining Company steigerte seinen Gewinn von 2 Millionen Dollar pro Jahr auf 6 Millionen Dollar im Jahr 1916.
Der 65. Kongress berichtete in Senatsdokument Nr. 259 über Unternehmensgewinne und Staatseinnahmen: Unter Berücksichtigung der Gewinne von 122 Fleischpacker:innen, 153 Baumwollmanufakturen, 299 Bekleidungshersteller:innen, 49 Stahl- und 340 Kohleproduzent:innen während des Krieges, war ein Gewinn von unter 25% außergewöhnlich. Zum Beispiel erzielten die Kohleproduzent:innen Gewinne zwischen 100% und 7.856% auf ihr Grundkapital. Die Chicago Packers verdoppelten und verdreifachten ihren Gewinn.
Und vergessen wir nicht die Banken, die diesen großen Krieg finanzierten. Wenn irgendjemand die Crème de la Crème der Gewinne besaß, waren es die Banken. Da es sich hierbei um Partnerschaften und nicht um eingetragene Organisationen handelt, müssen sie nicht an ihre Aktionär:innen berichten. Und ihre Gewinne waren so geheim wie riesig. Weil solche Geheimnisse auch vor einem Untersuchungsausschusses des Senats nie öffentlich werden, weiß ich nicht, wie die Banken zu ihren Millionen und Milliarden kamen.
Aber hier sind einige Beispiele anderer patriotischer Industrieller und Spekulant:innen, die ihren Weg mit Kriegsgewinnen geebnet haben.
Nehmen wir die Schuhindustrie. Sie lieben Krieg, denn es bringt ihnen übermäßige Gewinne. Sie handelten mit unseren Verbündeten und machten riesige Gewinne. Vielleicht, wie auch die Munitionsfabrikant:innen und die Rüstungsindustrie, verkauften sie ihre Produkte auch an den Feind. Ein Dollar ist ein Dollar – egal ob er aus Deutschland oder Frankreich kommt. Aber auch mit Uncle Sam betrieben sie eifrig Handel. Zum Beispiel verkauften sie dort 35 Millionen Paar Schuhe mit genagelten Sohlen für 4 Millionen Soldat:innen. Das sind 8 Paar und mehr Schuhe für jede:n Soldat:in. Mein Regiment während des Krieges besaß lediglich ein Paar [Schuhe] pro Soldat:in. Ein paar dieser Schuhe existieren vermutlich immer noch. Es waren gute Schuhe. Aber nach dem Krieg hatte Uncle Sam noch 25 Millionen Paar [Schuhe] übrig. Gekauft – und dafür bezahlt. Gewinne erfasst und eingesteckt.
Auch war sehr viel Leder übrig. So verkaufte die Lederindustrie den USA hunderte bis tausende von McClellan-Sättel für die Kavallerie. Aber es gab keine amerikanische Kavallerie in Übersee! Irgendjemand musste sich irgendwie von diesem Leder befreien. Irgendjemand musste damit Profit machen, so dass wir jede Menge McClellan-Sättel hatten. Und wahrscheinlich immer noch haben.
Ebenso hatte jemand eine Menge an Moskitonetzen. Sie verkauften Uncle Sam 20 Millionen Moskitonetze zur Nutzung für die Soldat:innen in Übersee. Ich nehme an, dass sie diese über sich werfen sollten, als sie in schlammigen Gräben schliefen – mit der einen Hand sich die Läuse vom Rücken kratzend und mit der anderen Hand an ihnen vorbeihuschende Ratten vertreibend. Nun, keines dieser Moskitonetze ist jemals nach Frankreich gelangt.
Wie auch immer, diese gewieften Hersteller:innen wollten sicherstellen, dass kein:e Soldat:in ohne ein Moskitonetz sein würde und verkauften Uncle Sam zusätzliche 40 Millionen Yard an Moskitonetz.
In diesen Tagen wurden sehr gute Gewinne mit der Produktion von Moskitonetzen erzielt, auch wenn es in Frankreich keine Moskitos gab. Ich vermute, wenn der Krieg nur ein wenig länger gedauert hätte, die unternehmungslustigen Produzent:innen von Moskitonetzen hätten Uncle Sam ein paar Warensendungen mit Moskitos verkauft, um diese in Frankreich anzusiedeln, sodass noch mehr Moskitonetze verkauft werden würden.
Auch die Flugzeug- und Maschinenhersteller:innen waren der Meinung, dass sie aus diesem Krieg ihre Gewinne erzielen sollten. Warum auch nicht? Jede:r andere profitierte schließlich auch davon. So wurde 1 Milliarde Dollar – zähle sie, wenn du lange genug lebst – von Uncle Sam für den Bau von Flugzeugtriebwerken, die nie den Boden verließen, bezahlt! Kein einziges Flugzeug oder Motor, welche bestellt wurden, wurden je im Krieg gegen Frankreich eingesetzt. Genau so machten die Hersteller:innen einen kleinen Gewinn von 30, 100 oder vielleicht 300%.
Unterhemden für Soldat:innen kosteten in der Herstellung 14 Cent, Uncle Sam bezahlte dafür 30 bis 40 Cent für jedes von ihnen – ein netter kleiner Gewinn für die Hersteller:innen. Und die Fabrikant:innen von Strümpfen, Uniformen, Kappen und Stahlhelmen – alle bekamen etwas.
Als der Krieg vorbei war, füllten 4 Millionen Equipment-Sets – Rucksäcke und alles was darin enthalten ist – den Bestand von Warenhäusern. Nun werden sie vernichtet, weil sich die Vorschriften über den Inhalt darin verändert haben.
Aber die Hersteller:innen sammelten ihre Gewinne während der Kriegszeit ein – und werden es in nächster Zeit noch einmal tun. Es gab eine Menge fantastische Ideen, um während des Krieges Gewinne zu erwirtschaften.
Ein sehr vielseitiger Patriot verkaufte Uncle Sam zwölf Dutzend von 48-Zoll-Schraubenschlüsseln. Oh, es waren sehr nette Schraubenschlüssel. Das einzige Problem bestand jedoch darin, dass es nur eine Schraubenmutter gab, die groß genug für diese war – nämlich die, welche die Turbinen der Niagara-Fälle hält. Nun, nachdem Uncle Sam die Schraubenschlüssel gekauft hat und das Unternehmen den Gewinn einstrich, wurden diese auf Güterwagen verladen und in dem Bemühen eine Nutzung dafür zu finden, überall in den USA verteilt. Als der Waffenstillstand unterzeichnet wurde, war dies in der Tat ein trauriger Tag für das Unternehmen. Es war gerade dabei einige Muttern herzustellen, die für die Schraubenschlüssel passten und plante zudem diese ebenfalls an Uncle Sam zu verkaufen.
Noch ein anderer hatte die fantastische Idee, dass ein Oberst weder in Automobilen fahren noch auf einem Pferd reiten sollte. Dieser hatte vielleicht ein Bild von Andy Jackson, der in einer Pferdekutsche reiste, gesehen. Nun, einige 6.000 Pferdekutschen wurden dafür an Uncle Sam verkauft. Nicht eine einzige davon wurde genutzt. Doch das Kutschenunternehmen erhielt seinen Kriegsgewinn.
Auch die Schiffbauer:innen waren der Ansicht, dass sie von dem Geld etwas abbekommen sollten. Sie bauten eine Menge Schiffe, die mehr als 3 Milliarden Dollar Gewinn abwarfen. Einige dieser Schiffe waren in Ordnung, aber Schiffe mit einem Wert von 635 Millionen Dollar waren aus Holz gemacht und sollten nicht oben bleiben. Die Nähte gingen auf und sie sanken. Wir haben jedoch dafür bezahlt. Und irgendjemand sackte den Gewinn ein.
Von Statistiker:innen, Ökonom:innen und Forscher:innen wurden die Kriegskosten von Uncle Sam auf 52 Milliarden Dollar geschätzt. Von dieser Summe wurden 39 Milliarden Dollar im aktuellen Krieg selbst ausgegeben. Diese Ausgaben brachten einen Gewinn von 16 Milliarden Dollar ein. Das ist die Zahl, die die 21.000 Milliardär:innen und Millionär:innen hervorbrachte. Dieser Gewinn ist nicht zu verachten. Es ist eine ziemlich ordentliche Summe, die an ziemlich wenige ging.
Der Untersuchungsausschuss zur Rüstungsindustrie und dessen Kriegsgewinne hat trotz der sensationellen Enthüllungen nur an der Oberfläche gekratzt.
Trotzdem hatte dieser einen kleinen Effekt. Das Außenministerium studierte „für einige Zeit“ Methoden, um sich aus dem Krieg herauszuhalten und das Kriegsministerium hat für den Frühling plötzlich einen wunderbaren Plan. Die Regierung ernennt ein Komitee, in dem das Kriegs- und Marineministerium unter dem Vorsitz eines Wall Street-Spekulanten kompetent vertreten wird, um Kriegsgewinne zu begrenzen. In welchem Umfang wird nicht vorgeschlagen. Hmmm. Vielleicht würden die Gewinne über 300, 600 und 1.600% von denen, die Blut in Gold verwandelten, auf eine niedrigere Zahl beschränkt werden.
Anscheinend, wie auch immer, sieht der Plan keine Beschränkung für die Verluste der Menschen vor, die den Krieg führen. So weit ich das feststellen kann, gibt es keinen Plan dafür, die Soldat:innen auf den Verlust eines Auges, eines Armes oder die Wunden auf eine, zwei oder drei zu beschränken.
Oder den Verlust des Lebens zu begrenzen. Es gibt keinen Plan, der die Verwundeten eines Regiments auf nicht mehr als 12% in einem Kampf oder der Tötung von nicht mehr als 7% einer Division begrenzt.
Natürlich kann sich der Ausschuss nicht mit solchen Kleinigkeiten befassen.
