Frankreich und Kanada möchten nun Palästina als Staat anerkennen, Deutschland vorerst nicht. Egal, ob man nun das eine oder das andere gut findet: Es trägt beides nicht zu einer Deeskalation und friedvollen Welt bei. Das Problem ist wie schon seit Jahrtausenden ein Imperialismus, der nur Krieg, Zerstörung und Ausbeutung kennt.

Imperialismus: Ein Definitionsversuch
Der Begriff Imperialismus ist dem Lateinischen entnommen. Imperare bedeutet so viel wie herrschen. Es geht also im weitesten Sinne um die Ausweitung von Macht einzelner Staaten. Darum möglichst viel Land zu beherrschen, um so viele (natürliche) Ressourcen wie nur möglich für sich zu beanspruchen. Eng verbunden ist damit aber auch die Möglichkeit der Kolonisation und damit der Unterwerfung „fremdartiger“ Menschen unter sich, die so leicht auszubeuten sind.
Das tat das Römische Reich genauso wie das Byzantinische Reich. Heute sind es vor allem Länder mit einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die mit ihrem Zwang zu kontinuierlichem (endlosen) Wachstum die Menschen in den Ländern des globalen Südens ausbeuten. Wenn Russland etwa Krieg in der Ukraine führt, geht es lediglich darum, die heimische Wirtschaft zu stärken. Oder wenn Israel das gesamte palästinensische Gebiet für sich beanspruchen möchte, geht es nur vordergründig um religiöse Ansprüche. Es geht um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Region und die Ausweitung der Macht in der Welt.

Imperialismus und Kapitalismus gehen somit Hand in Hand. Es geht bei der Kriegsführung gegen andere Staaten um Profitmaximierung und darum, Staatshaushalte auf Kosten der Staaten des globalen Südens zu „sanieren“.
Imperialismus und Entwicklungsländer
Weiter betrachtet, geht es also darum, Dominanzverhältnisse zu schaffen. Dies geschieht bereits durch die Schaffung einer sprachlichen Trennung zwischen denen, den imperialistischen Herrschern, und jenen, den „Entwicklungsländern“ – also Länder, die sich in den Augen der dominierenden Staaten erst noch „entwickeln“ müssen. Auch die Begrifflichkeit eines „Dritte-Welt-Landes“ stellt hier bereits sprachlich einen gravierenden Klassenunterschied dar.
Nun stellt sich jedoch durchaus die Frage, wohin sich diese Staaten oder ganze Kontinente denn hin entwickeln sollen. Geht es darum, die Menschen in diesen Ländern wirklich dazu zu befähigen, sich selbst zu helfen? Oder ist es nicht eher so, dass diese Staaten sich dem kapitalistischen Weltsystem fügen sollen? Sich dominieren und ausbeuten zu lassen oder selbst „Big Player“ zu werden?
Vielleicht dient auch die so hoch gelobte Entwicklungshilfe, also Gelder, die in die vermeintlich unterentwickelten Staaten fließen, nur dazu, um dort Strukturen der Dominanz und Exploitation zu schaffen, damit die Ressourcen von dort möglichst günstig in die „erste“ Welt importiert werden können. Spielt ein Land in diesem Spiel nicht mit, so wird es eben kurzerhand annektiert.
Der ewige Streit um Erdgas und andere Rohstoffe
Der Israel-Palästina-Konflikt ist hierzu ein Paradebeispiel. Seit jeher sind die Eigentumsrechte für das im Jahr 2000 entdeckte ca. 25 Milliarden m3 große Erdgasvorkommen etwa 35 km vor der Küste des Gazastreifens unklar.
Evgeny Chereshniv zieht in seinem Blogartikel über den Krieg zwischen Palästina und Israel folgerichtig folgendes Fazit:
[…] Der Grund für den Konflikt ist weder Religion noch Geschichte oder Terrorismus – kurz gesagt, es geht überhaupt nicht um das, worüber „Big Brother“ schreibt. Der Grund für den Ausbruch des Konflikts zwischen Palästina und Israel sind Geld und natürliche Ressourcen, die gerade jetzt von den USA und Großbritannien benötigt werden, unter anderem im Stellvertreterkrieg mit Russland. Denn zweifellos besteht das Ziel der raschen Erschließung der Gasvorkommen Palästinas darin, die Wiederherstellung der „Nord Stream“-Pipelines zu verhindern.
Quelle: Evgeny Chereshniv, [KRIEG ZWISCHEN PALÄSTINA UND ISRAEL, HERBST 2023 + GIBT ES EINE VERBINDUNG ZU RUSSLAND?*], abgerufen am 03. August 2025, übersetzt aus dem Russischen mit DeepL.com (kostenlose Version)
Israel als selbst kapitalistische Nation soll somit in der Zerstörung des Lebensraumes der Palästinenser:innen und der Erschließung dieses riesigen Gasvorkommens, seine Verbündeten in der westlichen Welt günstiges Erdgas sichern, damit diese ihren Bedarf unabhängig von Russland decken können. Dass hierbei unschuldige Menschen, darunter auch Kinder, sterben, wird von Israel und ihren westlichen Helfer:innen billigend in Kauf genommen.
Es geht somit auch hier wieder um die imperialistische Erschließung von insbesondere rohstoffreichen Regionen, um sich somit auf dem Weltmarkt günstig zu positionieren. Selbstverständlich geht es auch im Krieg gegen die Ukraine, den Russland führt, um solche Rohstoffvorkommen. So befinden sich gerade in der hart umkämpften Region Donezk zahlreiche Steinkohlevorkommen; in der völkerrechtswidrig annektierten Krim zudem auch Erdgasvorkommen.
Ein globaler Wirtschaftskrieg
Betrachten wir die aktuelle Weltlage mit ihren unzähligen Konflikten, so ist anzunehmen, dass der Dritte Weltkrieg bereits im Gange ist. Vielleicht zeigt sich dieser aber ganz anders als wir es von den ersten beiden Weltkriegen her kennen: Es ist kein weltumspannender Konflikt mehr, in dem Staaten an mehreren Fronten gegen unterschiedliche Feinde kämpfen, sondern eher ein Kampf um Ressourcen. Die kapitalistischen Nationen müssen sich zur Sicherung ihrer eigenen Wirtschaftsfähigkeit Rohstoffvorkommen sichern.
Nun kämpft die westliche Welt unter Führung der USA vor allem gegen Russland in eng umrissenen regionalen Konfliktherden um die Macht über diese Rohstoffe – ob nun in der Ukraine oder im Israel-Palästina-Konflikt.
Doch wäre nun ein palästinensischer Staat so viel besser? Vermutlich nicht. Gerade die Hamas und ihre Unterstützer:innen könnten mit dem Geld aus dem Verkauf eines Teils des Erdgases, ihre militärische Macht stärken, indem sie eine schlagkräftige Armee aufbauen und so zu einer Gefahr für die Jüd:innen in der Region werden – ein historisch gewachsener Imperialismus.
Wenn nun also Frankreich und Kanada tatsächlich Palästina als Staat anerkennen, zementieren sie damit nur die bestehenden Machtstrukturen: Die palästinensische Bevölkerung wird sich darin bestärkt sehen, weiter für ihr Land zu kämpfen, wohingegen Israel dann mit noch härteren Gegenschlägen reagieren wird. Die israelische Regierung muss bei der Anerkennung Palästinas als Staat so reagieren, da ihr Ziel der imperialistischen Eroberung dieses Landes und der Ausbeutung von dessen Rohstoffen den Verbündeten in der westlichen Welt zugutekommt. Eine Stabilisierung der Region und Frieden werden damit jedoch nicht erreicht.
Trump’s Rohstoffdeal mit der Ukraine
Auch das Rohstoffabkommen zwischen Washington und Kiew, in dem den USA der privilegierte Zugang zu Rohstoffen in der Ukraine zugesichert wird, trägt nur zur Stabilisierung des Dominanzverhältnisses der USA gegenüber Russland bei.
Putin wird sich von diesem Deal jedoch nicht beeindrucken lassen. Die Kämpfe in den rohstoffreichen Regionen werden zunehmen, da Russland nach diesem Abkommen nur mehr die Möglichkeit hat, sich diese militärisch zu sichern. Ein nachhaltiges Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine ist damit vermutlich auf sehr lange Zeit unmöglich gemacht worden.
Das Endspiel des Kapitalismus und Imperialismus
Auch die chinesische Regierung schielte schon immer nach der vollständigen Machtübernahme von Taiwan. Erst kürzlich wurde das Truppenaufgebot rund um den Inselstaat erhöht. Kein Wunder, denn Taiwan zählt zu den größten Exporteuren für Halbleiter und auch Erdölvorkommen sind dort zu finden.
Ich gehe daher stark davon aus, dass China Taiwan zu gegebener Zeit angreifen wird, womit es in diesem weltweiten Krieg einen weiteren regionalen Brennpunkt gäbe. Auch die USA und Russland werden dann auf die ein oder andere Weise – militärisch oder wirtschaftlich – mitmischen. Alle drei großen Nationen sind somit in viele kleine Konflikte militärisch und/oder wirtschaftlich verstrickt. Es ist dann das wahrscheinlich letzte Aufbäumen eines kapitalistischen Systems, das bereits heute gescheitert ist und nur noch künstlich am Leben erhalten wird.
Die Leidtragenden sind aber jene Menschen in den vermeintlich unterentwickelten Staaten, die von den drei großen Wirtschaftsnationen geopfert werden, um ihre Macht noch für einen weiteren kurzen Zeitraum zu erhalten oder gar auszubauen. Im schlimmsten Fall werden in diesen Krieg auch zunächst passive Kriegsparteien, die etwa Militärstützpunkte der USA unterhalten, mithineingezogen.
Es ist somit der Kapitalismus, der den Imperialismus aufrechterhält. Nur indem der Kapitalismus überwunden wird, entsteht Weltfrieden. Noch besteht die Möglichkeit dazu, dies auf diplomatischen Weg zu erreichen.
Kooperation und Einheit statt Krieg
Dazu muss die Menschheit insgesamt jedoch erkennen, dass alle eins und mit allen verbunden sind. Es kommt darauf an, das Augenmerk nicht auf die Gegensätze zu lenken, sondern auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – und dieser ist nun einmal die Würde eines jeden einzelnen Menschen, die es zu bewahren gilt.
In dieser Einheit gibt es keinerlei Grenzen oder Staaten mehr, sondern nur mehr eine Gemeinschaft aus sich unterstützenden Menschen. Andere Teile der Welt werden mit Ressourcen wie Erdöl oder Erdgas in gemeinschaftlicher Entscheidung der Menschen in der dort lebenden Region kostenfrei und bedarfsgerecht beliefert. Diese Dinge sind schließlich Bestandteil der Erde und gehören allen Menschen zu gleichen Teilen. Niemand sollte sich an Gemeineigentum bereichern.
Auch im Kleinen muss sich diese Kooperation und Einheit bemerkbar machen: So sind auch sämtliche Produktionsmittel, Maschinen, Häuser und dergleichen Gemeineigentum. Findige Unternehmer:innen und Investor:innen haben sich lediglich die Arbeitskraft der dominierten Menschen und damit deren Arbeitswerk zu eigen gemacht. Weil diese Dinge aber unter Mitwirkung vieler Menschen und mithilfe von gemeinfreien Ressourcen zustande kamen, gehören diese eben allen (und doch niemanden). Diese bedarfsdeckend auf alle Menschen in einer Region zu verteilen, ist Aufgabe eines Rates als Entscheidungsgremium in der betreffenden Region. Dies muss jedoch kooperativ unter Einbeziehung der Menschen vor Ort und ohne die Etablierung von Dominanzverhältnissen geschehen.
Dieser Rat wird dann auch mit anderen Regionen all die lebensnotwendigen Dinge, die nicht selbst hergestellt werden können, austauschen und im Gegenzug dem Entscheidungsgremium dieser Region andere Dinge anbieten können.
Fortan wird dann das Motto des Anarchokommunismus gelten: „Alle nach ihren Fähigkeiten, allen nach ihren Bedürfnissen.“
